Welche Landnutzungsweisen sind uns heute wie viel wert? – Lisa Cronjäger
Lisa Cronjäger’s Buch »Umtriebszeiten. Forsteinrichtungskarten und die Umwandlung von Wäldern im 19. Jahrhundert« bewirkt Anstösse zur Transformation. Seit der Lektüre suche ich konkretere Anknüpfungspunkte, um die Agroforstperspektive in mein Schreiben, Forschen und Gestalten stärker einzubeziehen.
Spannend und zugänglich entschlüsselt Lisa Cronjäger, warum ein Forst nicht nur ein Fleck auf der Landkarte ist. Die Autorin positioniert sich klar für einen lebendigen und differenzierten Blick auf Wälder. Methodisch bricht sie Kategorien auf: Kritisch und tiefgründig verbindet Cronjäger Medien- und Kulturwissenschaften sowie Wissenschaftshistorik mit den Forst- und Umweltwissenschaften.
Eine Plantage endet nicht an ihren Grenzen.
Beim Lesen sickert unweigerlich ein, wie dauerhaft und umfassend Narrative und Bilder (Kultur-)Landschaften gestalten, und wie unsere Bildungswege und letztlich wir selbst Teil davon sind. Die vielschichtige historische Einordnung zeigt, wie stark aktuelle Landnutzungskonflikte und deren Auswirkung auf Klima und Biodiversität in der Trennung von Natur und Kultur begründet sind.
Paradigmenwechsel zu naturenkulturen
Persönlich hatte ich viele Aha-Momente, weshalb sich der Weg von der Theorie zu einer Praxis von Poly- anstatt Monokulturen zäh und anspruchsvoll gestaltet und wie relevant jede Geschichte und jedes Bild sind, die lebenserhaltende Landnutzungstechniken zeichnen.
Cronjäger denkt Wälder nicht nur anders, sie appelliert mit Verve für Dialog zwischen den Geistes- und Erdwissenschaften und legt in ihrem Ausblick auf Agroforstkulturtechniken eine der größten Chancen für die Wiederherstellung von Land vor. Für die sozial- und ökologische Gestaltung der Bioökonomie liefert das Werk dringend erforderliche wissenschaftliche Leitplanken. Damit wird „Umtriebszeiten” unabdingbar für Lehrende, Forschende und für Organisationen der Zivilgesellschaft, die die planetaren Grenzen im Blick haben.
Besprechung von Sina Ribak, Oktober 2025.
Lisa Cronjäger ist Medienkulturwissenschaftlerin und Wissenschaftshistorikerin. In ihrer aktuellen Forschung beschäftigt sie sich mit geisteswissenschaftlichen und aktivistischen Perspektiven auf die Klimakrise. »Umtriebszeiten. Forsteinrichtungskarten und die Umwandlung von Wäldern im 19. Jahrhundert« ist im Jahr 2025 im Wallstein Verlag erschienen.
Die kommenden »Umtriebszeiten« Buchvorstellungen mit Lisa Cronjäger, finden am 05. Februar 2026 im Rahmen der Klimaznacht in Basel, sowie am 13. Februar 2026 in Berlin statt.
Lisa Cronjäger, Monokulturforst